Archiv für 2010

Girl Talk

Da weist uns ganz am Ende eines popmusikalisch gar nicht so ereignisreichen Jahres die TAZ noch auf eine Veröffentlichung hin, die es in sich hat. Gregg Gillis alias Girl Talk montiert aus 372 Songs ein 71 Minuten langes Album mit absolutem Unterhaltungswert und ganz großen Momenten. Verwurstet wird jede Menge Mainstream (den man größtenteils gar nicht kennen möchte), Metallriffs & Raplyrics. „All Day“, so heißt das Ding ist, nach Aussage des Künstlers in einer Grauzone entstanden – in einer Grauzone des Kapitalismus, könnte man sagen. Geschickt amerikanisches Recht nutzend, umgeht er alles, was wir unter Copyright-Bestimmungen verstehen und lässt die Platte mit John Lennon ausklingen. Imagine. Wahre Kunst, die uns den Ramsch des Kapitalismus in kleinen, genießbaren Häppchen zurückgibt. Kostenfrei, versteht sich & auch zum Anschauen.

Tags:

Platte des Jahres

Tags:

So What?

Sollte Ihre Seite demnächst auch so (oder so ähnlich) aussehen, könnte das neue Jugendmedienschutzgesetz gegriffen haben. Die glorreiche NRW-Regierung aus SPD und Grünen wird nicht mal das verhindern. „Parlamentarische Zwänge“ nennen das die Grünen. Aber jetzt will man ja noch mal reden.

Einen kleinen Aufstand dagegen gab es schon im Netz. Aber der richtige, der große Aufstand, der kommt erst noch – und zwar auf jedem Fall aus Frankreich. Und wenn dieses Manifest es nicht bringt, dann ein Fußballprofi. Da bleiben wir doch am Ball. Und wo ist eigentlich Günther Netzer?

Trotzdem muss der Kampf für den Jugendschutz natürlich fortgesetzt werden. Da laufen ja zur Zeit wieder Typen rum … Sicher ein Fall für Porno-Steffi, aber die hat jetzt noch ein paar andere Probleme.

Der CDU-Nachwuchs möchte derweil seine großartigen Fortbildungstouren fortsetzen. Unter dem Motto „Mal gucken, was die anderen so saufen“, sollte in Berlin ein besetztes Haus besucht werden. Die Bewohner hatten sich schon gefreut, die JU dann doch gekniffen.

Positives wieder mal nur aus der Musikszene: Wilco verkauft jetzt auch Kaffee, Jack White seine Platten direkt be eBay, Fanta4 kündigen einen Auftritt in Anröchte an und wer immer noch meint, sich vermarkten zu müssen, kann dies bei Audiomagnet tun.

Meanwhile in Dortmund sind auch die Kriminellen nicht mehr das, was sie mal waren und marschieren schon freiwillig zum Polizeipräsidium. Ob zur gemeinsamen Weihnachtsfeier, war nicht herauszufinden. Bessere Partys laufen im Stadttheater oder im ehemaligen Museum am Ostwall. Wer braucht bei dem Angebot noch das FZW?

Tags: , ,

Reisetipps

Ein Tourplakat der grandiosen Foals – aufgenommen im FZW. Besser kann man die Problematik des Ladens nicht beschreiben.

Tags:

Ein Ladenlokal für das Internet

Nach den Wirren um den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, Insidern eher als #JMStV bekannt, bahnt sich nun eine sensationelle Lösung an: Das Internet zieht um, und zwar in ein Ladenlokal an der Hohen Straße in Dortmund. Das Geschäft, bis vor kurzem noch eine Videothek mit angeschlossenem Katzenfutter- und Hundekuchenverkauf, ist nach den Worten des rheinland-pfälzischen Staatssekretärs Martin Stadelmaier „eine Superlösung“. Die Kundschaft sei an Ladenöffnungszeiten, Zutrittsverbote für Jugendliche und die Kennzeichnungen zu den Altersfreigaben auf allen Produkten gewöhnt.

Was bei Politikern fast aller Parteien – insbesondere den NRW-Grünen – zu euphorischen Reaktionen geführt hat, wird bei einigen Netzaktivisten auch kritisch gesehen. So fragt Google-CEO Eric E. Schmidt: „Wird es auch genug traffic geben?“ Da kann ihn Dortmunds OB Sierau beruhigen: „Die Hohe Straße führt zum Signal-Iduna-Park.“ Andere Seitenbetreiber wollen überhaupt nicht mitmachen und stellen ihre Seiten ein. Einer geht sogar bis zum Letzten und will in Zukunft nicht mehr wählen gehen. Besonnenere wiederum wiegeln ab und meinen, man müsse erst mal schauen.

Fraglich ist noch, ob das Internet künftig nach dem Modell der Familienvideothek („für alle“) oder der Erwachsenenvideothek („nur für Pappi“) geführt werden soll. Ein Seitenbetreiber ließ aber bereits hinter vorgehaltener Hand wissen: „ Was soll ich mit den scheiß Jugendlichen? Die verstehen doch eh nichts und wollen nur alles umsonst.“

Tags:

So What?

Gebt es zu: Auch ihr habt mal wieder den No Music Day vergessen und Euch hemmungslos zutönen lassen. Dieser ist jedes Jahr am 21. November und von ex KLF-Mann Bill Drummond ausgerufen worden. Der meint es ernst – hat ja immerhin auch schon mal 1 Millionen Pfund Tantiemen einfach so verbrannt.

Aber jetzt haben wir ja wieder ein Jahr Zeit für Getöse und können davon vielleicht 10 Stunden abzwacken, um einem toten DJ zuzuhören. Joe Strummer hat seine Sendung London Calling als kostenlosen Podcast einstellen lassen – mit Weisung von oben: Reinhören. Herr Renner steht aber mehr auf zu bezahlende Musik und macht einen Vorschlag für eine Flatrate. Dabei ist freiwilliges Bezahlen doch schon eine uralte Idee, was die Beatles, bzw. ihre Nachlassverwalter, natürlich nicht stört. Und dass die sozialen Online-Medien zu derem Erfolg nicht beigetragen haben, wissen wir nun auch.

Die Toten reden und manche Lebende würden besser schweigen. Wie zum Beispiel Frau Schröder. Um sich die Auswirkungen ihrer Schlampendebatte anzuschauen, musste man nur mal die entsprechenden Leserbriefe bei www.derwesten.de lesen, die dort vor ein paar Tagen zu diesem Artikel noch zu lesen waren und jetzt gelöscht sind. Da tobte der (noch) kleine Bruder des Konservatismus – der Mob. Der braune natürlich.

Weitere gute Nachrichten: Jim Morrison sollen seine Sünden vergeben werden und die aktuelle Ausgabe des deutschen Rollstein hat ausnahmsweise nicht ihn oder einen anderen alten Helden auf dem Cover, sondern – ja genau – deren Sünden.

Meanwhile in Dortmund: Das Musiktheater meldet 300.000 Miese und wird jetzt ganz sicher privatisiert. Allerdings soll die AWO schon abgelehnt haben, weil der Altersdurchschnitt der Operngänger zu hoch sei. Ob das in der Nähe gelegene Bierhaus Stade interessiert ist? Man weiß es nicht. Auch dass der Parkplatz vor dem „FZW“ umbenannt wird, ist eine Ente. Die entsprechende Meldung bezog sich auf eine Verwaltungsleistung der Stadt Bochum. Schade eigentlich …

Tags: ,

1989

Tags:

So What?

Stefan Laurin hat bei den Ruhrbaronen einen schönen Artikel zur sogenannten Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet veröffentlicht. Wobei man sicher vorsichtig sein muss: nicht alles was sich da als „kreativ“ verkauft, ist es auch. Im Zweifel dann doch eher „Wirtschaft“. Und damit sind wir wieder bei Herrn Gorny. Der sichert sich seinen Claim im U, hockt für die CDU in der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft und für die SPD in deren Medienkommission. Und manchmal unterstützt er auch alternative Initiativen. So flexibel ist die Kreativwirtschaft eben. Und immer auf der Jagd nach dem jugendlichen Filesharer. Aber die Jugend – die hat doch eh keine Chance mehr.

Ganz im Gegenteil zur Jugendministerin. Die kümmert sich schon mal um Freunde auf der rechten Seite, die sie schon verstehen werden, wenn auch – wie Herr Münch aus Dortmund – der deutschen Sprache nicht immer so ganz mächtig.

Andere Lichtgestalten der Leitkultur, wie unser allseits beliebter Gutti werden für Dinge gefeiert, für die andere in den Arsch getreten wurden, wie carta.de ganz richtig zeigt. Was aber wiederum nicht heißt, dass irgendein Tritt in den Arsch dieser Damen und Herren ein unberechtigter wäre und sein Ziel verfehlen sollte.

Damit wären wir beim Thema und meanwhile in Dortmund: Der Ratsbeschluss über die FZW-Verramschung ist jetzt gefasst. Die freien Mitarbeiter des Hauses hatten sich zwar (reichlich spät aber immerhin) mit einem offenen Brief an den zuständigen Dezernenten gewandt, hat aber nichts genützt. Die SPD bleibt sich im Brechen von Wahlversprechen treu. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen. Für heute.

Tags: , , ,

So What?

Plötzlich eine kleine Internet-Sendestation sein zu können und nicht nur, wie am Fernseher laut/leise und hell/dunkel einstellen zu können und sich berieseln zu lassen, macht schon ziemlich Spaß, ist aber auch viel Arbeit“ sagt Peter Glaser Recht hat der Mann. Und vor 20 Jahren, am 13. 11. 1990, ging die erste Webseite der Welt online. So sah sie aus. Die Links funktionieren noch.

„Stille“ scheint ja echt hitverdächtig zu werden. Nachdem, wie berichtet, eine britische Initiative versucht, 4’33 von John Cage zum Weihnachts-Smash-Hit zu machen, wird jetzt auch der Remembrance Day mit einer Single voller Stille begangen. Wünsche für Deutschland: Eine Bundestagssitzung ohne Ton, danach eine Karnevalssitzung und als Steigerung einen Abend auf RTL2 ohne Ton und ohne Bild. (Eine Bildzeitung mit weißen Seiten wäre natürlich auch nicht schlecht.)

Zurück in der Wirklichkeit gibt es auch Schönes zu vermelden: De:Bug erinnert an die großartigen Flying Lizards, was auch mal Zeit wurde, SELLABAND sammelt Geld, um neue Bands zu finanzieren, Radiohead beweisen, dass man auch mit Menschenfreundlichkeit Geld machen kann und die GEMA holt sich selbiges endlich mal bei den richtigen.

Leider geht währenddessen auch das Kartoffel-Mobbing weiter. (Und sagen sie nicht: „Mir egal, ich ess nur Pommes“.) Auch Schlampen scheinen nicht mehr schick zu sein. Stattdessen lieben wir Gutti trotz öden Twitter-Nörglern und Kollege Obama gibt zu, dass er selber nie getwittert hat – trotz 5,869,617 Followers. (Sind natürlich jetzt schon mehr.)

Meanwhile in Dortmund rangelt sich das Kapital weiter um das FZW – aber das hatten wir ja schon und in einem Artikel auf www.derwesten.de findet sich als letzter Satz einer, der alle Grauslichkeiten, die schon über das FZW berichtet wurden, übersteigt. Comedy ist ja nun wirklich der Tod jeder Popkultur & und verhält sich zu dieser, wie der Klassenkasper zu den coolen Mädchen in der letzten Reihe. Na, dann …

Tags: ,

tracks of art

Tags: