Auf www.2010lab.tv rechnet uns Sven Stienen vor, was wäre, wenn es bei Ruhr 2010 nicht um Tourismus- und Wirtschaftsförderung ginge, sondern um die Förderung von Kunst und Kultur. Auch wenn das kleine Rechenspiel zum Dortmunder U-Turm an vielen Stellen hakt, die Grundausrichtung stimmt natürlich.

Aber Geld reicht nicht. Bleiben wir in Dortmund & und reden wir mal nur über Popmusik. Da wären 10 Prozent der von Sven Stienen gerne verteilten Millionen gut und nachhaltig angelegt, wenn man sie einem Menschen in die Hand drücken würde, der ein Jahr lang nicht anderes tut, als Politik und Verwaltung immer wieder zwei einfache Dinge einzuhämmern:

1. Popmusik ist keine Jugendkultur!

2. Popmusik ist laut!

Hätten die städtischen Verantwortlichen dies einmal verstanden, wären die strukturellen Voraussetzungen geschaffen, um zwei grundlegende Dinge zu ändern:

1. Popmusik würde als eigenständige Kunstform anerkannt und der idiotische Zustand sie – je nach Kassenlage – als „Jugendkultur“ in den Zuständigkeitsbereich des Jugendamtes oder als „Kommerz“ in den des Kämmerers fallen zu lassen, würde enden. Popmusik gehört gefördert, wie Schauspiel, Oper, bildende Kunst, Kino, Jazz, … Nicht mehr und nicht weniger.

2. Die Lärmschutzbestimmungen würden grundlegend überarbeitet und auf Großstadtniveau gebracht. Juicy Beats-DJs, das alte FZW, Open Air- Gastronomen und Freiluftfeierer können ein (aber schön leises) Lied davon singen: In Dortmund legt man besonderen Wert auf die Durchsetzung von Lärmschutzbestimmungen. Was bedeutet, dass jeder einigermaßen hörbare Ton nach 22 Uhr abgedreht wird. Hier sind die Lärmschützer mit besonderem Eifer und unerfüllbaren Auflagen dabei, die achtgrößte Stadt des Landes zum mittelalterlichen Dorf zu machen. Jeder Ansatz der Popförderung wird zur Lärm-Emission.

Im recht schön zu lesenden Buch von Tobias Rapp über die Berliner Clubkultur kann man nachlesen, was eine Stadt tun (oder einfach mal unterlassen) kann, um Pop zu fördern. Da sagt zum Beispiel Tanja Mühlhaus, die frühere Clubbeauftragte des Senats: „Alles was kommerziell ist, verliert seinen Reiz. Das unterscheidet sich dann nicht mehr genug von dem, was in anderen Städten läuft“ (S. 55). Dieser Satz hätte sie schon qualifiziert, um sich für die oben vorgeschlagene Beraterposition zu bewerben – wenn es die denn geben würde.