Archiv für Januar 2011

So What?

Bernd Eichinger ist tot und damit fraglich, ob seine letzte große Produktion jetzt noch fertig gestellt wird. Dabei soll es sich um ein großes Stück historic fiction handeln, gegen das der Führer im Bunker nicht anstinken kann. Wie jetzt bekannt wird, soll es um einen Remake des Erroll Flynn Klassikers „Gegen alle Flaggen“ gehen, in dem Baron Gutti (Baron Gutti) die blutjunge Kadettin Sarah K. (Sarah K.) aus der Takelage der Gorch Fock befreit und den totguten Kapitän (Uwe Ochsenknecht) aus den Händen der Meuterer. Die Schlussszene soll schon im Kasten sein: Baron Gutti schwimmt am Steuer der Gorch Fock mit vollen Segeln in den Sonnenuntergang und Sarah K. rappt in seinen Armen zu einem aus US5-Samples gebastelten Track: „Heh, bin Sarah K., long not away, die Welt ist schlecht, nur Gutti gerecht und ich hatte doch recht. Heh, bin Sarah K. …

Die Gattin vom Gutti ist derweil auch nicht faul. Entpuppt die unentwegte Kämpferin gegen das Böse sich jetzt auch noch als technisch versierte Tüftlerin. So stellte sie der verblüfften Fachwelt kürzlich einen Notfallknopf vor, der alle bösen Seiten des Internets mit einem Knopfdruck abstellen kann. Besitzern von Rechnern jeder Art müssen damit rechnen, dass dieser Knopf jetzt Pflicht wird und sie ihre Anlagen umrüsten müssen. An einer entsprechenden Vorrichtung für TV-Geräte und Kassetten-Rekorder soll Frau Baronin schon arbeiten.

Während wir alle hoffen, dass diese Quelle des Bösen auf diese Weise nun ausgetrocknet werden kann, hat sich eine andere wieder geöffnet. Wie immer kommt das Grauen aus dem Osten und das böse Wort vom Kommunismus macht wieder die Runde, hat sich sogar schon in Lidl-Regale geschlichen, macht aber in einer gerechten Welt wie der unseren so überhaupt keinen Sinn mehr. Herr Baron, Frau Baronin – handeln sie! Bevor andere es tun.

In der Welt der Popmusik passiert nicht viel, außer dass die altlinke Viererbande auch wieder aktiv ist (Kommunismus-Return auch hier) und wir jetzt endlich wissen, warum die Gruppe Megadeth bei jungen Leuten so beliebt ist. Außerdem haben jetzt auch die Ruhrbarone gemerkt, dass in ihrer Baronei tote Hose ist und die geliebte Musikindustrie will jetzt doch wieder was verkaufen.

Meanwhile in Dortmund spielt Mick Hart ein sehr gutes Konzert im Subrosa – um auch mal was Positives zu vermelden.

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Hausbesuch vom netten Nazi

Wie jetzt bekannt wurde, möchten auch unsere Nazis sich ihrer zivilgesellschaftlichen Verantwortung stellen und sich als Interviewer an der Volkszählung beteiligen. Die findet im Frühjahr dieses Jahres statt und die NPD ruft Mitglieder und Sympathisanten auf, nicht nur 7,50 € Aufwandserstattung pro Haushalt zu kassieren (um sie dann der Partei zu spenden), sondern auch in der Nachbarschaft ein paar zusätzliche Informationen zu sammeln. Da freuen wir uns doch drauf.

Spekulationen, nach denen der NPD und ihren Kameradschaften die Abwicklung der Volkszählung ganz übertragen werden soll, sind allerdings unrichtig. So wurde aus Duisburg bekannt, dass OB Sauerland (Stichwort: Imagebildung) jeden Haushalt seiner Stadt selbst besuchen möchte. Ob er dabei von seinen Loveparade-Kumpanen begleitet wird, wissen wir nicht. In Berlin kann sich die Arbeitsgemeinschaft SSB („Sarazin Soll Bleiben“) in der SPD vorstellen,  mit den Kollegen von der NPD zusammen loszuziehen. In einigen Wohnquartieren sei es besser, so ihr Sprecher, „wenn wir Deutschen geschlossen auftreten“.

Auch andere kriminelle Vereinigungen haben jetzt ihr Interesse bekundet, so der Bund deutscher Kleinkrimineller, die Bundesarbeitsgemeinschaft Gelegenheitsdiebe und die ’Ndrangheta.

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So What?

Mit großer Trauer müssen wir verkünden, dass das Jahr der Kulturhaupstatt jetzt vorbei ist. Es hat dem Ruhrgebiet nun mal so richtig viel gebracht, wirtschaftlich gesehen, imagemäßig, auch künstlerisch und für den geliebten Rock’n’Roll sowieso. Im Schatten des U konnte man endlich beweisen, dass Pop nur nach wirtschaftlichen Gesetzen funktioniert und innovative Popkunst in Dortmund keinen Platz hat. Ein wirklich ausgeklügeltes und facettenreiches Programm für Anfang 2011 weist auch die letzten Kritiker in die Schranken.

In der Welt der Guttis und Schröders kämpft man derweil trotz Anfeindungen jeder Art weiter tapfer gegen das Böse und erfreut sich dafür größter Beliebtheit beim Wahlvolk. Wenn diese Leute ihre großartigen Ideen jetzt auch noch zu Papier bringen würden, könnte ihnen der uns doch alle irgendwie bedrohende Abstieg ins Prekariat erspart bleiben. Und alle, die das nicht geschafft haben und nie schaffen werden sollen sich mal ganz schnell entschuldigen, bei uns Wohlhabenden. Ist doch peinlich, diese Armut.

In der Welt der Popmusik ist auch nicht alles gut. Während der eine den Ausstieg aus der Welt knapp verpasst, kriegt ihn ein anderer Guter hin. Und wer singt uns jetzt den Dachau Blues? Immerhin ist der Pudelclub jetzt 21 und Ice-T zeigt den blöden Ungarn, wie so richtig verbotenes Zeug klingt. Bisher nicht verboten ist Billy Bragg, aber das kommt dann wohl noch – vielleicht auch im Land der deutsch-nationalen Frühkartoffeln.

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Tatort Dortmund

WDR-Intendantin Piel lässt in einem Interview fallen, dass es mal wieder Zeit für einen Ruhrgebiets-Tatort sei und schon ist für die Dortmunder Stadtoberen die Sache klar: Der muss einfach in Dortmund spielen. OB Sierau entwirft schon mal das erste Drehbuch und das Städtische Touristik Büro schickt die Besucher der Stadt umgehend auf einen Tatortpfad.

Wie WDRLeaks jetzt verbreitet, ist da wirklich was dran und auch die Skizze zum Drehbuch der ersten Folge sickerte jetzt durch:

OB Sierau wird in einem Dortmunder Jazzklub von einer herabfallenden Tuba erschlagen. Dem in seine Heimat zurückversetzen Kommissar Bär ist sofort klar: Das war kein Unfall (in einem Tatort ist es nie ein Unfall). Seine Recherchen laufen schnell in zwei Richtungen: 1. Punk Anton, hat Drohbriefe an den OB verfasst, wegen Privatisierung seines Lieblingsklubs trotz früherer gegenteiliger Zusicherung des OBs, aber Anton verkehrt nicht in Jazzklubs. 2. der Kulturdezernent, verkehrt in Jazzklubs, gilt als scharfer Konkurrent des OBs aber auch als zu blöd zum Tubawerfen. Letztlich muss Bär herausfinden, dass es keiner von beiden war, sondern ein ortsansässiger Kulturmanager, der neben der Gastronomie in der Westfallenhalle, dem Westfalenpark, dem Westfalenstadion, der Westfalenstube und allen anderen angesagten Locations nun auch gerne den Jazzklub übernommen hätte, wobei die Tuba allerdings nicht den OB, sondern den (entfernt ähnlich ausschauenden) Kulturdezernenten treffen sollte. Die obligatorische Bratwurst isst Bär dann mit Fritz Eckenga (Drehbuch, Regie und vier Nebenrollen) vor dem Stadion.

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