Mit großer Trauer müssen wir verkünden, dass das Jahr der Kulturhaupstatt jetzt vorbei ist. Es hat dem Ruhrgebiet nun mal so richtig viel gebracht, wirtschaftlich gesehen, imagemäßig, auch künstlerisch und für den geliebten Rock’n’Roll sowieso. Im Schatten des U konnte man endlich beweisen, dass Pop nur nach wirtschaftlichen Gesetzen funktioniert und innovative Popkunst in Dortmund keinen Platz hat. Ein wirklich ausgeklügeltes und facettenreiches Programm für Anfang 2011 weist auch die letzten Kritiker in die Schranken.

In der Welt der Guttis und Schröders kämpft man derweil trotz Anfeindungen jeder Art weiter tapfer gegen das Böse und erfreut sich dafür größter Beliebtheit beim Wahlvolk. Wenn diese Leute ihre großartigen Ideen jetzt auch noch zu Papier bringen würden, könnte ihnen der uns doch alle irgendwie bedrohende Abstieg ins Prekariat erspart bleiben. Und alle, die das nicht geschafft haben und nie schaffen werden sollen sich mal ganz schnell entschuldigen, bei uns Wohlhabenden. Ist doch peinlich, diese Armut.

In der Welt der Popmusik ist auch nicht alles gut. Während der eine den Ausstieg aus der Welt knapp verpasst, kriegt ihn ein anderer Guter hin. Und wer singt uns jetzt den Dachau Blues? Immerhin ist der Pudelclub jetzt 21 und Ice-T zeigt den blöden Ungarn, wie so richtig verbotenes Zeug klingt. Bisher nicht verboten ist Billy Bragg, aber das kommt dann wohl noch – vielleicht auch im Land der deutsch-nationalen Frühkartoffeln.