Archiv für Juli 2011

Teil der Wahrheit 0.6

In grauer Vorzeit wurden Verabredungen zu der altersgemäßen Aktivität „Großbesäufnis“ meistens an der Schule getroffen; zum Bedauern der Prä-Internet-Generation kam aber niemand auf die Idee, deshalb die Schließung von Schulen zu fordern. Wird die Feierei jedoch über dieses noch immer viel zu wild wuchernde Internet organisiert, löst das bei Ordnungspolitikern geradezu zwangsläufig den „Verbieten!“-Reflex aus.

aus: Svenna Triebler: LINKS & RIGHTS, konkret 08/2011

tracks of art

Tags:

So What?

Schon toll, wie sich Frau Merkel und Jido Fister Filly um unseren Wohlstand kümmern. Als emsige Handlungsreisende sorgen sie hier für sichere Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie (in der wir doch alle irgendwie tätig sind) und gleichzeitig dafür, dass die bereisten Regime auch genug Waffen haben, um ihre Leute in Schach zu halten (oder gleich umzubringen). Dieses bringt dann wiederum mit sich, dass die nicht zu uns kommen, um uns die Öko-Wurst von der Stulle zu putzen. Danke, nochmals, danke.

Die Partei unserer großen Frau Angela weiß jetzt endlich auch, wie man neue Mitglieder gewinnt und wird direkt von Interessenten überrannt. Aber aufpassen, dass andere Parteien das nicht kopieren. Einer, der der nun wirklich alles kopiert, ist ja der Asiat. Dass er manchmal sogar das Original toppt, zeigt uns dieses Filmchen.

Womit wir in der Welt des Erwachsenenpop wären. Auch diese geht durch schwere Wetter. Nein, Mick Jagger hat die Stones nicht verlassen, auch wenn er mit Joss Stone, Damian Marley, Dave Steward und A.R. Rahman eine Zweitband namens Superheavy gegründet hat. Es ist viel schlimmer: Aki Schmidt verlässt Casino Express. Dies zumindest wollen die unentwegten Investigativreporter der Ruhrnachrichten herausgefunden haben (und ist mittlerweile vom Meister bestätigt worden).

Meanwhile in Dortmund sucht ihr Kollege Kai Uwe Brinkmann in den Betonschluchten kapitalistischer Abzocke nach Musik und findet die Sonics, The Smiths, Joy Division und PIL. Bewunderungswürdiger Einsatz. Apropos Musikevents: Hat Dein Schatz Dir etwa im letzten Jahr erzählt, mal eben zum Glastonbury-Festival fahren zu wollen (obwohl es doch gar keine Karten gibt)? Dann schau mal hier nach, ob er wirklich da war (und wenn, wen er/sie da im Arm hat).

Ob die SPIEGEL-Titelbilder weniger reißerisch sind als die der Weekly World News, wäre zu fragen. Eingestellt wird das Blatt der deutschen Intelligenz aber erst mal nicht. Trotz (oder wegen) der ständigen Hitlerei. Nachdem dieser ja nun wohl doch tot ist, stellt seine Geburtsstadt Braunau ganz fix einen Dringlichkeitsantrag auf Aberkennung seiner Ehrenbürgerschaft. Scheint plötzlich nicht mehr in zu sein, der Mann, zumindest bei den Ösis.

Welchen Neuigkeitswert die Meldung hat, ein Nudelsieb sei jetzt als religiöse Kopfbedeckung zugelassen, ist nicht so ganz nachzuvollziehen (auch nicht, warum sie dann wieder zurückgezogen wurde). War das nicht schon immer so?

BlaBlaMeter: Bullshit-Index: 0.16 (Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.)

Tags: ,

So What?

Wenn man vom Dorf kommt – am besten aus dem Sauerland, dem Münsterland oder auch vom Niederrhein – dann weiß man doch, dass es dort fast an jedem Sommerwochenende sowas wie eine Facebook-Party gibt. Wobei der inner circle dieser Events sogar bewaffnet aufläuft und Saufereien wie Schlägereien fest zum Programm gehören. Liebe Innenminister – werden Sie aktiv! Aber flott!

Das Schöne am Kapitalismus in seiner derzeitigen Erscheinungsform ist ja, dass er jungen Menschen immer sofort zeigt, wo der Hammer hängt. So bekommt der gemeine Metall-Fan von der Musikindustrie und den Betreibern einer Kasperbude am eigenen Leibe aufgezeigt, dass er nur Zahlvieh ist und ein paar übermütige Jungs, die sich cool wie Erdbeereis geben, mussten jetzt lernen, dass das Recht immer das Rechte des Stärkeren ist – was im Kapitalismus bedeutet: Das Recht des Zahlungskräftigeren.

Für die Rechte der Musikindustrie setzt sich ja, wie allseits bekannt, unser geschätzter Herr Gorny ein. Er tut dies unter anderem in der Enquete-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft des Bundestages. Viel Ahnung vom Internet scheint er ja nicht zu haben (was „creative commons“ sind, hat man ihm jetzt aber erklärt), wenn es aber darum geht, seine Lobbyinteressen durchzusetzen ist er (obwohl G. Schröder-Freund) auf Seiten der CDU. Eine Entscheidung zur Netzneutralität hat man jedenfalls auf den Herbst vertagt. Derzeit haben die bösen Internetaktivisten wohl noch die besseren Argumente – aber über den Sommer werden noch ein paar Bier, ein paar Würste und ein paar Erdbeereis verputzt und dann fällt Gorny und seinen Kumpanen schon noch was ein.

Meanwhile in Dortmund betreibt der gute Mann ja die Kollegen-Versorgungsanstalt (Ruhrbarone) “European Center for Creative Economy” (ECCE). „Die Lebenserfahrung sagt einem ja, dass hinter so einem Namen immer aufgeblasener Quark steckt, für den die Steuerzahler blechen müssen, um ein paar Nieten davor zu bewahren, sich auf dem Arbeitsmarkt begeben zu müssen“. Mehr als die Ruhrbarone dazu schon vor einiger Zeit geschrieben haben, ist dazu auch wohl nicht zu sagen, auch wenn die Grünen jetzt doch noch mal irgendwie nachhaken wollen.

Geld für so einen Quark müsste in Dortmund nach der Privatisierung des „FZW“ ja wohl da sein. Hier hat man jetzt, nach dem Relaunch der „FZW“-Seite, auch noch den letzten kleinen Rest von Privatengagement vertrieben. Schauen sie mal auf den „FZW“-Blog und sie werden sehen, sie sehen nichts. Vom Gebäude des alten FZW hört man, dass es ab und zu für illegale Partys genutzt wird. Auch dies dürfte nicht im Sinne der Stadt und der Musikindustrie sein. Warum sollte man sich eigentlich etwas einfach so nehmen dürfen, wenn man es auch kaufen kann? Hier könnte die desorientierte Jugend von den dänischen Kollegen lernen.

Zum Schluss vielleicht doch noch zwei positive Meldungen: Die neue Platte der Feelies ist super und auch die grandiosen Mekons haben eine neue Veröffentlichung angekündigt.

BlaBlaMeter: Bullshit-Index :0.12 (Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.)

Tags: , , , ,