Wenn man vom Dorf kommt – am besten aus dem Sauerland, dem Münsterland oder auch vom Niederrhein – dann weiß man doch, dass es dort fast an jedem Sommerwochenende sowas wie eine Facebook-Party gibt. Wobei der inner circle dieser Events sogar bewaffnet aufläuft und Saufereien wie Schlägereien fest zum Programm gehören. Liebe Innenminister – werden Sie aktiv! Aber flott!

Das Schöne am Kapitalismus in seiner derzeitigen Erscheinungsform ist ja, dass er jungen Menschen immer sofort zeigt, wo der Hammer hängt. So bekommt der gemeine Metall-Fan von der Musikindustrie und den Betreibern einer Kasperbude am eigenen Leibe aufgezeigt, dass er nur Zahlvieh ist und ein paar übermütige Jungs, die sich cool wie Erdbeereis geben, mussten jetzt lernen, dass das Recht immer das Rechte des Stärkeren ist – was im Kapitalismus bedeutet: Das Recht des Zahlungskräftigeren.

Für die Rechte der Musikindustrie setzt sich ja, wie allseits bekannt, unser geschätzter Herr Gorny ein. Er tut dies unter anderem in der Enquete-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft des Bundestages. Viel Ahnung vom Internet scheint er ja nicht zu haben (was „creative commons“ sind, hat man ihm jetzt aber erklärt), wenn es aber darum geht, seine Lobbyinteressen durchzusetzen ist er (obwohl G. Schröder-Freund) auf Seiten der CDU. Eine Entscheidung zur Netzneutralität hat man jedenfalls auf den Herbst vertagt. Derzeit haben die bösen Internetaktivisten wohl noch die besseren Argumente – aber über den Sommer werden noch ein paar Bier, ein paar Würste und ein paar Erdbeereis verputzt und dann fällt Gorny und seinen Kumpanen schon noch was ein.

Meanwhile in Dortmund betreibt der gute Mann ja die Kollegen-Versorgungsanstalt (Ruhrbarone) “European Center for Creative Economy” (ECCE). „Die Lebenserfahrung sagt einem ja, dass hinter so einem Namen immer aufgeblasener Quark steckt, für den die Steuerzahler blechen müssen, um ein paar Nieten davor zu bewahren, sich auf dem Arbeitsmarkt begeben zu müssen“. Mehr als die Ruhrbarone dazu schon vor einiger Zeit geschrieben haben, ist dazu auch wohl nicht zu sagen, auch wenn die Grünen jetzt doch noch mal irgendwie nachhaken wollen.

Geld für so einen Quark müsste in Dortmund nach der Privatisierung des „FZW“ ja wohl da sein. Hier hat man jetzt, nach dem Relaunch der „FZW“-Seite, auch noch den letzten kleinen Rest von Privatengagement vertrieben. Schauen sie mal auf den „FZW“-Blog und sie werden sehen, sie sehen nichts. Vom Gebäude des alten FZW hört man, dass es ab und zu für illegale Partys genutzt wird. Auch dies dürfte nicht im Sinne der Stadt und der Musikindustrie sein. Warum sollte man sich eigentlich etwas einfach so nehmen dürfen, wenn man es auch kaufen kann? Hier könnte die desorientierte Jugend von den dänischen Kollegen lernen.

Zum Schluss vielleicht doch noch zwei positive Meldungen: Die neue Platte der Feelies ist super und auch die grandiosen Mekons haben eine neue Veröffentlichung angekündigt.

BlaBlaMeter: Bullshit-Index :0.12 (Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.)