Archiv für Februar 2012

PS zum Wuffi-Affärchen

Wie Herr Röchte bereits sagte:

Als Bundespräsident wolle er erreichen, „dass die Menschen in diesem Land wieder lernen, dass sie in einem guten Land leben, das sie lieben können“, sagte Gauck am Sonntag noch: „Weil es ihnen die wunderbaren Möglichkeiten gibt, in einem erfüllten Leben Freiheit zu etwas und für etwas zu leben.“ (Die Zeit– Online)

Das Wuffi-Affärchen

Ein Interview mit Antonius Röchte

Herr Röchte, sie sind Schriftst…

Nein, ich bin kein Schriftsteller. Ich veröffentliche nichts.

Aber sie schrei…

Nein, ich schreibe auch nichts mehr.

Aber warum führen wir dieses Interview? Ich meine …

Keine Ahnung. Wir können ja über Wulff reden.

Aber über den reden doch alle. Wenn es denn sein muss. Sie freuen sich, dass er weg ist?

Nein, ich freue mich überhaupt nicht.

Das müssen Sie erklären.

Christian Wulff war der beste Repräsentant, den Deutschland je hatte. Sehen sie, der Wohlstand der Deutschen beruht darauf, dass sie anderen Staaten ihren Ramsch, vor allem ihren Rüstungsramsch, verkaufen. Davon profitiert das Kapital aber eben auch die sogenannten kleinen Leute, die das, insbesondere, wenn sie sich intellektuell geben, nicht immer wahr haben wollen. Wir leben doch davon, dass wir anderen unseren Müll aufzwingen und ihnen unsere Knochenbrecher schicken, wenn sie nicht bezahlen können. Auch wenn die Kinder der Schuldner nichts zu fressen haben.

Und was hat nun Wulff damit zu tun?

Wie gesagt, wir wollen eigentlich gar nicht wissen, woher unsere Brötchen kommen und warum wir uns einen Thailandurlaub leisten können. Und da haben wir tolle Mechanismen der Selbstverarschung ausgebildet, um uns das Leben schön zu reden. Morgens holen wir uns die BILD oder den SPIEGEL und da steht dann eigentlich nur drin, wie gut wir doch sind. Draußen, da gibt es den Kinderschänder, die geldgierigen Griechen, die Schlampen, die korrupten Geschäftemacher, die geilen Italiener, die Schlägernazis – aber damit haben wir doch nichts zu tun. Wir sind gut, die Welt ist schlecht und alles ist im Lot. Und dann brauchen wir irgendwo in dieser bösen Welt noch einen guten Papi, der ein bisschen weise ist, aber nicht abgehoben, kluge Worte zur richtigen Zeit sagt, sich für Materielles nicht interessiert – einen Bundespräsidenten eben. Der hat doch eigentlich nichts anderes zu tun, als das Gute im Staat zu verkörpern. Etwas, an das wir glauben können. Papi wird es schon richten. Dieser Weizsäcker oder auch Rau waren in diesem Sinne die perfekten Präsidenten. Jetzt kommt aber Herr Wulff, noch relativ jung, soll in die Rolle reinwachsen, vermasselt aber alles. Er verkörpert die Korruptheit des Systems vorbildlich, was aber nicht sein Job ist. Das merkt er zwar, schafft es aber nicht, aus der Nummer wieder rauszukommen.

Aber ist er nicht von den Medien rausgekickt worden?

Klar war die BILD-Zeitung sauer. Das System kriegte auf einmal Schlagseite. Dem Deutschen wurde der Papi genommen. Ich weiß nicht, ob und wie das Kapital und ihre Handlanger aus der Politik da mitgedreht haben, aber es war klar, dass ein solcher Präsident nicht tragbar war. Am Ende hätte er noch aufklärerisch gewirkt und eine paar mehr Leute hätten verstanden, warum es ihnen so gut geht und vielleicht doch mal ein schlechtes Gewissen bekommen.

Aber es war doch nicht nur die BILD-Zeitung, die Wulff bekämpft hat, es waren doch auch Linke und vor allem die Netzgemeinde.

Was ist denn nun schon wieder die Netzgemeinde? Für mich bestand das einzig Interessante am „Wuffi-Affärchen“ darin, zu sehen, wie autoritätshörig die sogenannten Linken doch sind. Ob in den Parteien oder im Netz. Alle sahen plötzlich das „Amt“ beschädigt. Lächerlich. Schämen fremd, wie ein Schulkind, dessen Papi in der Zeitung steht, weil er eine alte Oma überfallen hat. Das hat mir noch mal gezeigt, wie tief die Verdrängungsmechanismen sitzen und welche Aufklärungsfunktion ein Bundespräsident Wulff noch hätte haben können.

Nun ist er weg. Wer kommt?

Mir egal. Hab auch keine Idee. Frau Merkel wird jetzt genauer hingucken. Und das Kapital auch. Frau Käsmann wäre perfekt. Dann können die Dinge wieder ihren gewohnten Lauf nehmen. Auch wenn Papi dann eine Mutti wäre. Aber ich weiß nicht, ob die will.

Herr Röchte, wir danken für dieses Gespräch.

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