Artikel getaggt mit Lou Reed

So What?

Pünktlich zum Reformationstag, welchen der Amerikaner und der Jugendliche „Halloween“ nennen, weiß der STERN zu berichten, dass Zombies die Weltherrschaft übernehmen. Er meint damit wahrscheinlich nicht unsere britischen Freunde, sondern die Vorstände unserer 147 allerliebsten Unternehmen (die dies allerdings längst getan haben). Ob deren Laufburschen auch zu den Untoten zählen, wissen wir nicht genau, dürfen es aber vermuten.

Gegen Vampire hilft Knoblauch und gegen Zombies das Zelten. So glauben es zumindest die romantischen kleinen Mädchen aus unserer Mittelschichtsjugend. Anstatt die Dekane ihrer Universitäten davon zu überzeugen, dass das Fach Wirtschaftswissenschaften der religions-„wissenschaftlichen“ Fakultät zugeschlagen gehört, halten sie sich für 99 Prozent. „Ausfall der Bundesliga und gleichzeitig eine Woche alle Supermärkte zu. Dazu irgendwas Böses mit Tieren“. So beschrieb Friedrich Küppersbusch neulich die Gründe, welche diejenigen der 99 Prozent, die tatsächlich Zombies im Nacken sitzen haben, auf die Straße bringen würden.

Jemand, der zu alledem noch viel zu sagen gehabt hätte, ist leider nicht untot sondern tot und hat auf dem Pierre Lachaise einen bescheidenen Platz gefunden.

Auch die Welt der Popmusik lebt von Untotbaren und Wiedergängern. So ist Laurie Anderson wohl eine intelligente Frau, aber darauf, was ihr Gatte so treibt (und vor allem mit wem) könnte sie schon ein wenig schauen. Da hängt Onkel Lou mit den immer schon saulangweiligen Metallica rum und raus kommt eine Veröffentlichung über die man besser das (Grab-)Tuch des Schweigens deckt. Solange noch die Werbekampagne rollt, darf Springers Rollstein dies natürlich nicht tun und so windet man sich durch ein Interview, in dem „der große Pionier der avantgardistischen Rockmusik“ (S. 45) allen Ernstes behaupten darf: „Metallica spielen auf einem Niveau, nach dem ich mich stets gesehnt habe“. (S. 49). Am Ende dies Quarks dann doch noch ein kleiner Lichtblick: „Gerne hätten wir noch gefragt, was wohl John Cale zu seiner letzten Antwort sagen würde“. Dieser gibt die Antwort lieber auf dem Platz und legt eine tolle EP vor. Album folgt.

Zurück in die Welt der Wirtschaft. Da hat die Katholische Kirche, der es ja auch schon mal besser ging, einen neuen (oder vielleicht doch nicht so neuen) Geschäftszweig entdeckt und der arme Dieter Gorny und sein ECCE-Laden wird mal wieder von den unerbittlichen Häschern der Ruhrbarone gehetzt – um mal mit etwas Positivem zu enden.

Bullshit-Index: 0.1, Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.

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So What?

Märchenerzähler haben echt nichts zu lachen in diesen Zeiten. Der NABU verklagt die Gebrüder Grimm, RWE die Bundesregierung und in Rüthen werden verurteilte Hexen rehabilitiert. Auch andere Märchen will keiner mehr so recht glauben. Und welche Geschichten Wirrkopf Langhans erzählt, wenn er mit Nazis plaudert, wollen wir lieber gar nicht wissen. Andererseits glauben wir ja irgendwie gerne an Märchen aller Art und der gestürzte Messias ist immer noch unser beliebtester Politiker.

In der Welt der Popmusik beweisen eine Bundeswehrkapelle und Micah Frank, dass man wirklich alles zum Klingen bringen kann, Onkel Lou, dass ältere Herren auch noch einen recht guten Musikgeschmack haben können und Pete Doherty, dass er wohl nie ein Freund der bayrischen Justiz werden wird. Dann gibt es da noch Blogger, die meinen, dass die Warner Music Group, EMI, Sony, Universal Music und die GEMA nichts auf ihren Seiten zu suchen haben und ein entsprechendes Tool verbreiten. Die so gedisste, geliebte Musikindustrie gibt aber so schnell nicht auf und positioniert sich schon mal für die kommenden Schlachten in Brüssel.

Meanwhile in Dortmund freut man sich auf das 16. juicy beats Festival. Dieses ist im Lauf der Jahre vom dezentralen DJ-Event zum Massenauflauf von Fans der unterschiedlichsten popmusikalischen Stilrichtungen geworden. Das muss ja nicht unbedingt schlecht sein, aber ob die klare Ausrichtung am Headliner-Konzept dem Ursprungsgedanken des Festivals noch entspricht, sei dahingestellt. Ebenso ob die Auswahl des diesjährigen Top Acts nicht irgendwie in die Rockröhrerei führt. Aber der Westfalenpark ist ja groß.

Bullshit-Index: 0.13. (Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.)

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So What?

Dass Pop uns nicht in die Revolte führt, sondern in den Supermarkt, wussten wir ja schon länger. In der aktuellen Spex erklärt Robert Misik uns das noch mal sehr schön. So Why Don’t You Kill Me? Lesen!!! Gleichzeitig meint ein Herr Reichold im aktuellen Rollstein, die letzte Love Parade könne nicht die letzte gewesen sein. Wohl weil er noch mal den Novy (Champagner, blanke Busen und Ekstase) machen möchte – dabei ist „junge Leute auf Kosten des Steuerbürgers in den Tod treiben“ doch ein Privileg der Bundeswehr.

Meanwhile in Dortmund: Die Räume, mit denen man hier die Kunst umbaut, scheinen alle nicht zu funktionieren. Das U wird nicht fertig (scheint aber immerhin als naziärgernder Taubenschlag zu funktionieren), dem FZW will sich keiner annehmen (so es denn nicht zum Schlagermuseum umgebaut wird) und sogar das Big Tipi bricht zusammen. Aber wir haben ja noch Konzert– und Schauspielhaus. Die scheinen noch ganz stabil und bieten den bürgerlicheren Popfans wenigstens ab und an ein wenig Abwechslung. Ob wir aber die jüngsten Erkenntnisse der Wissenschaft (auch hier) dort anwenden können, wird man sehen. So what? Keine guten Zeiten. Aber wenigstens Lou Reed zeigt mal Anstand.

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