Artikel getaggt mit Ruhr 2010

So What?

„Wie viel Bullshit steckt in Ihrem Text?“ fragt Ilse Burisch und liefert Dir mit ihrem BlaBlaMeter eine direkte Antwort. Sofort einmal ausprobieren, bevor das Tool von der Politik entdeckt und umgehend zur Explosion gebracht wird.

Unser aller Gutti hat natürlich so etwas nicht nötig und vor allem keine Zeit. Während die Kommunisten vom Neuen Deutschland noch überlegen, ob es noch zeitgemäß ist, die deutsche Seefahrerelite auf einem nach Johann Wilhelm Kinau („Seefahrt in Not“) benannten Schiff zu drillen, ist er schon weitergeeilt und geht seinem Hauptberuf als Außenhandelsreisender der Rüstungsindustrie nach. Nicht wahr ist allerdings, dass Herr Mubarak das Asyl in Deutschland verschmäht, weil unser geschätzter Außenminister seinem weisen Freund beim letzten Besuch die Gesamtedition der Schwarzwaldklinik auf DVD mitgebracht hatte.

Und wo wir gerade bei Gerüchten sind. Unwahr ist auch, das Jack White seine Partnerin Meg verlassen hat um mit Christina Aguilera eine Band namens Stars’n’Stripes zu gründen. Wahrscheinlicher ist, dass Christina nun zusammen mit Sarah Connor als Duo mit Namen „The National Anthems“ auftreten wird. Unsere geliebte Lena muss da nicht mitmachen. Sie hat soviel Kohle, dass sie in der Printausgabe der Dortmunder Rundschau schon auf der Wirtschaftsseite gewürdigt wird. Richtig so.

Währenddessen beansprucht der mindestens genauso reiche Großmarktschreihals und Sichselbstlustigfinder Mario Barth Eigentumsrechte an geklauten Sprüchen und merkt nicht einmal, dass sich doch etwas auf Ujfalusi reimt.

Im Ruhrgebiet trägt das Establishment nach der doch so erfolgreichem „Ruhr 2010“ die Ruhrstadt schon vor ihrer Geburt zu Grabe und meanwhile in Dortmund schließen die Autonomen ein Aktionsbündnis mit Kristina Schröder. Mit aller Kraft wollen sie ihr helfen, den Nachweis zu erbringen, dass Nazis und linke Autonome doch eigentlich das Gleiche sind. Weiter so, Kameraden, mit Nazimethoden gegen alles was keinen schwarzen Stern trägt und der (heimliche) Beifall von höchster Stelle kann Euch sicher sein – hat immerhin auch bei der R.A.F. schon funktioniert. Wenn ihr das dann doch alles irgendwie nicht so wollt, dann bitte einen Kurs „Nachdenken for Beginners“ belegen.

Die echten Nazis von der NPD wurden jetzt auch Opfer eines Flötenbläsers (nennt man das so in diesen Kreisen?). Ist natürlich nichts Neues bei raus gekommen, bringt eine kriminelle Vereinigung dem Verbot aber vielleicht ein kleines Stückchen näher.

So, jetzt noch schnell diesen Text in den BlaBlaMeter eingeben. Das Ergebnis lautet: Ihr Text: 2513 Zeichen, 361 Wörter, Bullshit Index : 0.26, Ihr Text zeigt erste Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch, liegt aber noch auf akzeptablem Niveau. Geht doch!

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So What?

Mit großer Trauer müssen wir verkünden, dass das Jahr der Kulturhaupstatt jetzt vorbei ist. Es hat dem Ruhrgebiet nun mal so richtig viel gebracht, wirtschaftlich gesehen, imagemäßig, auch künstlerisch und für den geliebten Rock’n’Roll sowieso. Im Schatten des U konnte man endlich beweisen, dass Pop nur nach wirtschaftlichen Gesetzen funktioniert und innovative Popkunst in Dortmund keinen Platz hat. Ein wirklich ausgeklügeltes und facettenreiches Programm für Anfang 2011 weist auch die letzten Kritiker in die Schranken.

In der Welt der Guttis und Schröders kämpft man derweil trotz Anfeindungen jeder Art weiter tapfer gegen das Böse und erfreut sich dafür größter Beliebtheit beim Wahlvolk. Wenn diese Leute ihre großartigen Ideen jetzt auch noch zu Papier bringen würden, könnte ihnen der uns doch alle irgendwie bedrohende Abstieg ins Prekariat erspart bleiben. Und alle, die das nicht geschafft haben und nie schaffen werden sollen sich mal ganz schnell entschuldigen, bei uns Wohlhabenden. Ist doch peinlich, diese Armut.

In der Welt der Popmusik ist auch nicht alles gut. Während der eine den Ausstieg aus der Welt knapp verpasst, kriegt ihn ein anderer Guter hin. Und wer singt uns jetzt den Dachau Blues? Immerhin ist der Pudelclub jetzt 21 und Ice-T zeigt den blöden Ungarn, wie so richtig verbotenes Zeug klingt. Bisher nicht verboten ist Billy Bragg, aber das kommt dann wohl noch – vielleicht auch im Land der deutsch-nationalen Frühkartoffeln.

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Kulturhaupstatt II

Auf www.2010lab.tv rechnet uns Sven Stienen vor, was wäre, wenn es bei Ruhr 2010 nicht um Tourismus- und Wirtschaftsförderung ginge, sondern um die Förderung von Kunst und Kultur. Auch wenn das kleine Rechenspiel zum Dortmunder U-Turm an vielen Stellen hakt, die Grundausrichtung stimmt natürlich.

Aber Geld reicht nicht. Bleiben wir in Dortmund & und reden wir mal nur über Popmusik. Da wären 10 Prozent der von Sven Stienen gerne verteilten Millionen gut und nachhaltig angelegt, wenn man sie einem Menschen in die Hand drücken würde, der ein Jahr lang nicht anderes tut, als Politik und Verwaltung immer wieder zwei einfache Dinge einzuhämmern:

1. Popmusik ist keine Jugendkultur!

2. Popmusik ist laut!

Hätten die städtischen Verantwortlichen dies einmal verstanden, wären die strukturellen Voraussetzungen geschaffen, um zwei grundlegende Dinge zu ändern:

1. Popmusik würde als eigenständige Kunstform anerkannt und der idiotische Zustand sie – je nach Kassenlage – als „Jugendkultur“ in den Zuständigkeitsbereich des Jugendamtes oder als „Kommerz“ in den des Kämmerers fallen zu lassen, würde enden. Popmusik gehört gefördert, wie Schauspiel, Oper, bildende Kunst, Kino, Jazz, … Nicht mehr und nicht weniger.

2. Die Lärmschutzbestimmungen würden grundlegend überarbeitet und auf Großstadtniveau gebracht. Juicy Beats-DJs, das alte FZW, Open Air- Gastronomen und Freiluftfeierer können ein (aber schön leises) Lied davon singen: In Dortmund legt man besonderen Wert auf die Durchsetzung von Lärmschutzbestimmungen. Was bedeutet, dass jeder einigermaßen hörbare Ton nach 22 Uhr abgedreht wird. Hier sind die Lärmschützer mit besonderem Eifer und unerfüllbaren Auflagen dabei, die achtgrößte Stadt des Landes zum mittelalterlichen Dorf zu machen. Jeder Ansatz der Popförderung wird zur Lärm-Emission.

Im recht schön zu lesenden Buch von Tobias Rapp über die Berliner Clubkultur kann man nachlesen, was eine Stadt tun (oder einfach mal unterlassen) kann, um Pop zu fördern. Da sagt zum Beispiel Tanja Mühlhaus, die frühere Clubbeauftragte des Senats: „Alles was kommerziell ist, verliert seinen Reiz. Das unterscheidet sich dann nicht mehr genug von dem, was in anderen Städten läuft“ (S. 55). Dieser Satz hätte sie schon qualifiziert, um sich für die oben vorgeschlagene Beraterposition zu bewerben – wenn es die denn geben würde.

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